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Forsythia suspensa

Forsythia suspensa / lian qiao, 连翘 / Hänge-Forsythie / Weeping Forsythia / Forsythia à fleurs pendantes
Foto: Thomas Grimm
Forsythia suspensa / lian qiao, 连翘 / Hänge-Forsythie / Weeping Forsythia / Forsythia à fleurs pendantes

Datenpflege und weitere fachjournalistische Ausarbeitung dieses Lexikoneintrags im Internet werden ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung einer Patenschaft der Tiger-Apotheke in Bad Shanghai.

Familie: Oleaceae

Wissenschaftliche Bezeichnungen:

Forsythia
Forsythia fortunei
Forsythia suspensa
Forsythia suspensa f. pubescens
Forsythia suspensa var. fortunei
Forsythia suspensa var. latifolia
Forsythia suspensa var. sieboldii
Forsythiae fructus (TCM-Saatdroge)
Forsythiae plumula (TCM-Droge)
Fructus forsythiae (TCM-Saatdroge)
Plumula forsythiae (TCM-Droge)
Rangium suspensum
Syringa suspensa

Chinesische Bezeichnungen:

da qiao 大翘
han lian zi 旱连子
huan dai 缓带
huang hua gan 黄花杆
huang huan dan 黄缓丹
huang jin tiao 黄金条
huang shou dai 黄绶带
huang shou dan 黄寿丹
lan hua 兰华
lao qiao 老翘
lian
lian qiao 连翘
qing qiao 青翘
san lian 三廉
shou dan 绶丹
yi qiao 异翘
zhi

Chinesische pharmazeutische Bezeichnungen:

lian liao jing ye 连翘茎叶
lian qiao 连翘
lian qiao gen 连翘根

Deutsche Bezeichnungen:

Forsythie
Goldflieder
Goldglöckchen
Goldsternchen
Goldweide
Hängeforsythie
Hänge-Forsythie
Osterstrauch
Versieht sick

Englische Bezeichnungen:

Forsythia
Golden Bell
Weeping Forsythia

Französische Bezeichnungen:

Forsythia
Forsythia à fleurs pendantes
Forsythia pleureur

Der schottische Botaniker William Forsyth (1737–1804), der u. a. auch lange Zeit als Obergärtner am englischen Königshaus beschäftigt war, ist der Namenspatron der winterkahlen Blütensträucher aus der Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae). Seit Mitte des 19. Jahrhunderts erfreuen sie uns auch in der europäischen Gartenkultur zum Frühlings-Auftakt mit ihren gelben Blüten. Mit Ausnahme der Balkan-Forsythie (Forsythia europaea) stammen alle bekannten Arten dieser Pflanzengattung aus Asien. Japan, Korea und China sind die Ursprungsländer der Sträucher mit den gelben Trichterblüten; auch dort wurden sie schon sehr früh als Ziersträucher verwendet und wanderten seit Jahrhunderten mit gärtnerischem Wissen zwischen den asiatischen Ländern. So ist es u. a. erklärlich, dass die Hänge-Forsythie (Forsythia suspensa) in der wissenschaftlichen Erstveröffentlichung durch Carl Peter Thunberg 1784 noch als „Syringa suspensa“ der japanischen Flora zugeordnet wurde, obwohl die Art eindeutig chinesischen Ursprungs ist. In Europa erschweren inzwischen zahlreiche Kreuzungen und Zuchtvarianten dem Laien die klare Bestimmung unterschiedlicher Forsythia-Arten asiatischen Ursprungs.

Sechs Arten der Gattung werden heute eindeutig der chinesischen Flora zugeordnet, darunter auch die Hänge-Forsythie (Forsythia suspensa), deren Früchte als Arzneidroge in der Pharmakopoe der Volksrepublik genannt werden und die 1833 für Europa erstmals in Holland erwähnt wird, sowie die Grüne Forsythie (Forsythia viridissima), die ebenfalls schon vor 1850 in der englischen Gartenkultur bekannt war. Die Korea-Forsythie (Forsythia ovata) ist dagegen eine von vier koreanischen Wildarten der Gattung, die zusammen mit den chinesischen Stammpflanzen seit dem 19. Jahrhundert in europäischer Gartenkultur verbreitet wurde.

Bei der Mehrzahl europäischer Forsythiensträucher haben wir es aber mit einer Zuchthybride (Forsythia ✕ intermedia) zu tun, die vermutlich in Göttingen erstmals als Kreuzung aus den beiden chinesischen Wildarten Forsythia suspensa und Forsythia viridissima entstanden ist. Zur reichhaltigen gärtnerischen Reproduktion werden diese Sträucher vegetativ vermehrt (Bogentriebe als Absenker oder Bewurzelung von Stecklingen aus Zweigen). Mit Sortennamen wie ‚Spectabilis’, ‚Mélée d’Or’‚ ‚Lynwood’, ‚Goldzauber’ oder ‚Spring Glory’ sind die Blütensträucher dann im Gartenfachhandel erhältlich, und kaum ein Gartenbesitzer hat sich jemals gefragt, warum diese Forsythien trotz reichhaltiger Blüte bei uns nicht zur Frucht- und Samenbildung kommen. Offensichtlich wird das Manko fehlender Früchte in Europa gern in Kompensation für die reichhaltige gelbe Frühlingsblüte mit ihrem aufhellenden Charakter in Kauf genommen.

Der Standort des Forsythienstrauchs an der Hamburger Lombardsbrücke (hier mit Blick über die Binnenalster) markiert seit dem 27. März 1945 den phänologischen Frühlingsbeginn für Hamburg. Foto: Thomas Grimm
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In Deutschland gilt die Hänge-Forsythie als Zeigerpflanze im phänologischen Kalender des Wetterjahres; ihr Blühbeginn markiert den Übergang vom Vorfrühling zum Erstfrühling. Im Forsythienkalender für den Standort „Hamburger Lombardsbrücke“ ist der jährliche Blühbeginn seit 1945 dokumentiert und gibt damit u. a. Aufschluss über die klimatischen Entwicklungen der letzten 65 Jahre in Hamburg.

Während die vorjährigen Fruchtkapseln (chin: lao qiao, 老翘) teilweise noch am Strauch hängen, beginnt die aktuelle Fruchtbildung aus den vierzipfeligen Kelchen unmittelbar nach der Blüte zusammen mit dem Blattaustrieb. Foto: Gerhard Höfer
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Anders ist die Situation in China, dem Heimatland der gelben Blütensträucher: neben der Hänge-Forsythie und der Grünen Forsythie, die oben benannt wurden sind hier noch vier weitere Wildarten (F. mira, F. mandschurica, F. giraldiana und F. likiangensis) bekannt. Die Blüten der Hänge-Forsythie (Forsythia suspensa) zeichnen sich durch unterschiedliche Griffellängen (Heterostylie) aus; da die jeweiligen Typen der Art selbststeril sind, bedarf es zweier unterschiedlicher Vertreter der gleichen Art mit unterschiedlicher Griffellänge in der Nachbarschaft, um den Bestäubern eine Befruchtung der Blüte zu ermöglichen – ein weiterer Grund, warum europäischen Gartenbesitzern selten der Anblick einer fruchtenden Forsythie vergönnt ist, selbst dann nicht, wenn sie statt einer Zuchthybride eine echte chinesische Hänge-Forsythie (Forsythia suspensa) in ihrem Garten gepflanzt haben. Es fehlt dann immer noch am geschlechtlichen Gegenpart dieser fruchtbaren Wildart in der Nachbarschaft, wo in Europa meistens nur unfruchtbare Zuchthybriden aus dem gleichen Ablegerschwarm gepflanzt sind. Wegen starker Schwankungen im Blühbeginn der Sträucher ist zudem für deutsche Verhältnisse noch nicht geklärt, welche Insekten als potentielle Bestäuber der Forsythie überhaupt in Frage kommen; – für das Pollenangebot interessieren sich nach unserer Beobachtung vor allem Marienkäfer asiatischer Herkunft (Harmonia axyridis, siehe Foto oben; aber auch Coccinella septempunctata, siehe Foto unten).

Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata) beim Befruchtungsversuch an einer Forsythie. Foto: Thomas Grimm
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Die Kapselfrüchte, die sich nach erfolgreicher Befruchtung zwischen zwei Exemplaren einer Art mit unterschiedlicher Griffellänge aus der Blüte entwickeln, reifen dann im August/September. Bei der chinesischen Arzneidroge lian qiao (连翘) haben wir es mit den Kapselfrüchten von Forsythia suspensa zu tun, deren nachweisbarer Gehalt an Forsythin in der traditionellen chinesischen Medizin arzneilich zum Einsatz kommt. Die chinesische Volksheilkunde greift aber auch auf die Früchte anderer Forsythienarten zurück und verwendet auch belaubte Zweigspitzen (lian liao jing ye, 连翘茎叶) oder Wurzelteile (lian qiao gen, 连翘根) der Forsythie, wegen deren Gehalt an arzneilich wirksamem Forsythin. Qing qiao (青翘) bezeichnet im chinesischen Drogengebrauch die früh geernteten Früchte (qing für grün und frisch), lao qiao (老翘) die älteren Früchte (lao = alt), die mit brauner Kapsel am Strauch ausgereift sind. Der schmal geflügelte Samen (Segelflieger als Windstreuer) von der Größe eines halbierten Kümmelsamens ist in der arzneilichen Droge nur noch selten auszumachen.

Kapselfrüchte der Hänge-Forsythie, deren innere Kammeraufteilung und der enthaltene Samen, wie sie aus einer pharmazeutisch kontrollierten Arzneidrogenlieferung aus China dokumentierbar sind. Foto: Thomas Grimm
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Die Drogen aus den aufbereiteten Kapselfrüchten haben einen schwach aromatischen Geruch mit bitterem Geschmack; das chinesische Arzneibuch indiziert u. a. äußerliche Anwendungen bei Furunkeln und Karbunkeln, aber auch innerliche Anwendungen (u. a. bei entzündlichen Störungen der Harnleitsysteme). Die Fruchtkapseln aus unserer Abbildung stammen aus einem pharmazeutisch kontrollierten Anbau in Hebei, wie sie auch für den Vertrieb durch deutsche TCM-Apotheken nach entsprechender Verordnung zugelassen sind.

PS:
Für eine vertiefte botanische Recherche zu der Gattung in Deutschland empfehlen wir die Gehölzflora von Fitschen (Kap. 90–3); die Kammerung des Marks in den Zweigen der Forsythiensträucher liefert Bestimmungshilfen zu den Arten, die wir im Kontext eines chinesischen Heilpflanzenlexikons nicht näher ausführen wollen.

Gerhard Höfer. Hamburg, 2011-08-09 (rev. 2011-08-16)

  • Die aktuelle wissenschaftliche Darstellung dieser Pflanzenart in englischer Sprache finden Sie hier ...
  • 对于这种植物物种的目前科学的英语描述,见此 ...
  • A topical scientific description of this species in English language can be found here ...
  • Une description de cette espèce (en anglais) au niveau actuel de la science botanique se trouve ici ...

Die Hamburger Fachredaktion um Gerhard Höfer (Pflanzenarchiv Lavendelfoto) ist Ihnen bei Bedarf mit weiteren Fotos seiner Autoren, auf Wunsch auch mit Texten und Quellenangaben zu dieser Pflanzenart und ihren chinesischen Heilanwendungen behilflich (Tel.: +49 40 5001311).


Die Nennung von Pflanzenarten und pflanzlichen Drogen aus der chinesischen Medizin beinhaltet keine Aufforderung zur unqualifizierten Einnahme solcher Mittel. Bei ernsthaften gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.

对于中国医学的植物和植物药材的命名并不支持对这些药材植物的不恰当食用。对于有健康方面问题的人请求助于您的医生和药店。

Our dictionary entries of Chinese plant species and drugs from traditional Chinese medicine does not invite you to experiment with these drugs. If you have serious health problems please contact a doctor or a pharmacist.

La désignation d’espèces et de drogues végétales provenant de la médecine chinoise ne constitue pas une incitation à la prise irréfléchie des moyens en question. En cas de problèmes de santé graves, veuillez vous adresser à votre médecin ou pharmacien.

 
 

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© Gerhard Höfer, 2010