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Albizia julibrissin

Albizia julibrissin / he huan, 合欢 / Seidenakazie / Silk Tree / Arbre de soie
Foto: Gerhard Höfer
Albizia julibrissin / he huan, 合欢 / Seidenakazie / Silk Tree / Arbre de soie

Datenpflege und weitere fachjournalistische Ausarbeitung dieses Lexikoneintrags im Internet werden ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung einer Patenschaft der Tiger-Apotheke in Bad Shanghai.

Familie: Fabaceae, Leguminosae

Wissenschaftliche Bezeichnungen:

Albizia
Albizia julibrissin
Albiziae cortex (TCM-Rindendroge)
Albiziae flores (TCM-Blütendroge)
Albiziae flos (TCM-Blütendroge)
Cortex albiziae (TCM-Rindendroge)
Flores albiziae (TCM-Blütendroge)
Flos albiziae (TCM-Blütendroge)

Chinesische Bezeichnungen:

he huan 合欢
he hun 合昏
ma ying hua 马硬花
rong hua shu 蓉花树
wu rong shu 乌蓉树
wu yun shu 乌云树
ye guan men 夜关门
ye he huai 夜合槐

Chinesische pharmazeutische Bezeichnungen:

he huan hua 合欢花
he huan pi 合欢皮

Deutsche Bezeichnungen:

Schlafbaum
Seidenakazie
Seidenbaum

Englische Bezeichnungen:

Acacia
Bastard Tamarind
Lenkoran Acacia
Persian Silk Tree
Pink Siris
Silk Tree

Französische Bezeichnungen:

Acacia de Constantinople
Arbre à soie
Arbre de soie
Nemunoki

Der Seidenbaum (Albizia julibrissin) ist ein repräsentativer Vertreter einer Gattung von Bäumen und Sträuchern, die mit ca. 120 bis 140 Arten vor allem in den tropischen und wärmeren Gebieten der Erde verbreitet sind. 16 Arten der Gattung Albizia (deutsch: Schirmakazien) zählen aktuell zur einheimischen Flora der Volksrepublik China, davon zwei endemische Arten, die bisher auch nur aus China bekannt sind (A. duclouxii und A. calcarea in Guangxi). In der chinesischen Volksheilkunde kennt man Albizia julibrissin und Albizia kalkora in heilkundlichen Anwendungen – letztere Art hauptsächlich in den südchinesischen Provinzen. Das offizielle Arzneibuch der Volksrepublik referenziert dagegen lediglich den hier behandelten Seidenbaum (A. julibrissin) für arzneiliche Anwendungen in der traditionellen chinesischen Medizin.

Foto: Gerhard Höfer
Albizia julibrissin / he huan, 合欢 / Seidenakazie / Silk Tree / Arbre de soie

Der Baum mit Wuchshöhen bis 16 m ist über seine Früchte (bohnenartige Hülsen) eindeutig der Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) zuzuordnen; wegen seiner mimosenartigen Blätter ordnet man ihn aber auch der Unterfamilie der Mimosengewächse (Mimosoideae) zu, in einigen älteren Florenwerken sogar einer eigenen Familie der Mimosaceae. Ursprünglich kommt der Baum aus den Ländern des vorderen Orient (Iran, Irak): Der englische Name Persian Silk Tree verweist ebenso auf diese Herkunft wie die gängige französische Bezeichnung Acacia de Constantinople. Vom vorderen Orient aus wurde der Seidenbaum schon sehr früh über die alten Handelswege der Seidenstraße über Pakistan und Indien bis in nahezu alle chinesischen Provinzen verbreitet. Trotz einer Frosthärte bei Temperaturen bis −15 °C ist die dekorative Baumart in Deutschland wenig etabliert, da ein Überleben in härteren Winterfrösten mit enormem Pflege- und Schutzaufwand verbunden ist. In den meisten afrikanischen Staaten kennt man die Baumart aber ebenso wie in den wärmeren nordamerikanischen Bundesstaaten, wo er als Gartenflüchtling bereits zu den invasiven Neophyten gezählt wird.

Der Blatthabitus der Fiederblätter ähnelt in mancherlei Hinsicht dem der Echten Mimose; nicht ganz so „mimosenhaft“ schnell wie diese kann er seine Blätter auch zusammenklappen, was bei Trockenheit als Verdunstungsschutz auch geschieht. Auch bei Lichtmangel werden die Fiederblätter zusammengeklappt, ein Schauspiel, das man vor Ort bei einbrechender Dunkelheit sogar allabendlich beobachten kann. Dieser Ruhezustand erklärt die deutsche Bezeichnung der Baumart als „Schlafbaum“, die wir in poetischer Bezeichnung auch im chinesischen Volksmund wiederfinden: ye guan men, 夜关门 (wörtlich: nachts ist die Tür zu); der Baum schläft also nachts, ein Schlafbaum.

Foto: Gerhard Höfer
Albizia julibrissin / he huan, 合欢 / Seidenakazie / Silk Tree / Arbre de soie

Puderquastige Blüten mit 2 cm bis 3 cm Durchmesser, wie wir sie auch von vielen afrikanischen Akazienarten kennen, werden in ihrem Aussehen durch ihre zarten Staubblätter in Farbverläufen von crème-weiß nach rosa bestimmt. In manchen chinesischen Regionen wird der Baum umgangssprachlich deshalb auch mit der ähnlichen Farbgebung der Lotusblüte in Verbindung gebracht (rong hua shu, 蓉花树 / Lotusblütenbaum), wohingegen sich der europäische Sprachgebrauch eher an dem Epithet julibrissin aus der wissenschaftlichen Bezeichnung von 1772 (Albizia julibrissin) orientiert, die den äußeren Kokon des Seidenspinners (Flockseide) als Anlass für ihre Namensgebung gewählt hat: Seidenakazie, Silk Tree oder Arbre à soie heißt der Baum in den europäischen Sprachen. Die Puderquasten der Staubblätter in den kugeligen Blüten des Seidenbaums mit ihrer Ähnlichkeit zur Flockseide des Seidenspinner-Kokons erklären also die Namensgebung des Baums in den westlichen europäischen Kulturen, obwohl er keinerlei Bezug zur chinesischen Seidenproduktion hat. Auch zu dem diesbezüglichen Maulbeerbaum als Futterpflanze der Seidenraupe besteht keinerlei Ähnlichkeit. Mit einem weiteren Namen aus dem chinesischen Volksmund (ye he huai, 夜合槐) wird dagegen Bezug genommen auf einen anderen traditionsreichen Baum der chinesischen Heilkunde (Sophora japonica), ebenfalls aus der Familie der Hülsenfrüchtler, der auch im chinesischen Arzneibuch behandelt wird, und den wir in Deutschland vielerorts in Parkanlagen als Schnurbaum oder Japanischen Pagodenbaum kennen.

Die Blütendroge des Seidenbaums (pharmazeutisch: Albiziae flos) he huan hua (合欢花) ist in China als Sedativum gebräuchlich. Die Rindendroge he huan pi (合欢皮) hat dagegen verschiedene Einsatzbereiche. Für die Gewinnung der Arzneidroge Albiziae cortex wird die Stammrinde meist jüngerer Bäume im Sommer oder Herbst im Verlauf der Stämme oder dickerer Äste abgeschält. Aussehen und Konsistenz ähneln der Rinde unserer einheimischen Eberesche. Die gewonnenen Rindenstücke aus solchen Erntevorgängen werden gewaschen und durchfeuchtet, danach in Streifen geschnitten und an der Sonne getrocknet.

Foto: Thomas Grimm
Albizia julibrissin / he huan, 合欢 / Seidenakazie / Silk Tree / Arbre de soie

Die eingerollten Rindenstücke auf unserem Bild stammen aus einer kontrollierten Drogenlieferung aus Hubei, wie sie für TCM-Anwendungen in Deutschland zugelassen sind. Die chinesische Medizin indiziert dafür Funktionskreise von orbis cardialis, orbis hepaticus und orbis pulmonalis mit sedativer Wirkung bei Unruhe und Beklommenheit, verweist aber auch auf äußerliche Anwendungen bei schmerzhaften Sturz- oder Schlagverletzungen. Dazu werden die Rindenstücke feinpulverig verrieben und kommen direkt auf den betroffenen Körperpartien zum Einsatz.

Gerhard Höfer. Hamburg, 2011-01-25 (rev. 2011-08-16)

  • Die aktuelle wissenschaftliche Darstellung dieser Pflanzenart in englischer Sprache finden Sie hier ...
  • 对于这种植物物种的目前科学的英语描述,见此 ...
  • A topical scientific description of this species in English language can be found here ...
  • Une description de cette espèce (en anglais) au niveau actuel de la science botanique se trouve ici ...

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© Gerhard Höfer, 2010