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Sanguisorba officinalis

Sanguisorba officinalis / di yu, 地榆 / Großer Wiesenknopf / Great Burnet / Pimprenelle officinale
Foto: Gerhard Höfer
Sanguisorba officinalis / di yu, 地榆 / Großer Wiesenknopf / Great Burnet / Pimprenelle officinale

Datenpflege und weitere fachjournalistische Ausarbeitung dieses Lexikoneintrags im Internet werden ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung einer Patenschaft der Tiger-Apotheke in Bad Shanghai.

Familie: Rosaceae

Wissenschaftliche Bezeichnungen:

Poterium officinale
Radix praeparata sanguisorbae (TCM-Wurzeldrogenbereitung)
Radix sanguisorbae (TCM-Wurzeldroge)
Sanguisorba
Sanguisorba officinalis
Sanguisorba officinalis (homöopathisch / spagyrisch)
Sanguisorba officinalis var. montana
Sanguisorba officinalis var. officinalis
Sanguisorbae radix (TCM-Wurzeldroge)
Sanguisorbae radix praeparata (TCM-Wurzeldrogenbereitung)

Chinesische Bezeichnungen:

bai di yu 白地榆
bian zao hu zi 鞭枣胡子
di ya 地芽
di yu 地榆
hong di yu 红地榆
hong xiu qiu 红绣球
hua jiao di yu 花椒地榆
huang gua xiang 黄瓜香
jue miao shen 蕨苗参
ma hou zao 马猴枣
ma lian an 马连鞍
shan di gua 山地瓜
shan zao ren 山枣仁
shan zao shen 山枣参
shu wei di yu 鼠尾地榆
shui bin lang 水槟榔
shui gan lan gen 水橄榄根
suan zhe 酸赭
tu er hong 土儿红
tun yu xi 豚榆系
xi di yu 西地榆
xian xing di yu 线形地榆
xiao zi cao 小紫草
xue jian cao 血箭草
yan di ji 岩地芨
ye sheng ma 野升麻
yi zhi jian 一枝箭
yu chi 玉豉
yu zha 玉札
zhu ren shen 猪人参
zi duo miao zi 紫朵苗子

Chinesische pharmazeutische Bezeichnungen:

di yu 地榆
di yu tan 地榆炭

Deutsche Bezeichnungen:

Bauchknöppel
Blutsknöpf
Blutströpfchen
Blutwurtz
Cholerawurzel
Donnerknopf
Fieberkraut
Graskelfker
Grommetsköpp
Großer Wiesenknopf
Herrgottsbart
Heuleiterle
Hume-sange
Kanonenputzer
Knöpf
Kölbelskraut
Kraftkraut
Rauchfangkehrer
Rote Pimpernell
Rurkölblin
Schneiderkopf
Welsche Bibernelle
Wiesenknopf
Wilda Aischba

Englische Bezeichnungen:

Burnet
Common Burnet
Great Burnet
Greater Burnet
Official Burnet

Französische Bezeichnungen:

Grande pimprenelle
Pimprenelle
Pimprenelle officinale
Pimprenelle sanguisorbe
Sanguisorbe
Sanguisorbe officinale

Die Pflanzengattung Sanguisorba (Wiesenknopf) aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) ist in China mit sieben verschiedenen Arten vertreten, von denen einige wiederum in diverse Unterarten aufgeteilt werden können. Allein der Große Wiesenknopf, den wir auch in Europa als Sanguisorba officinalis kennen, ist in der chinesischen Flora mit fünf verschiedenen Unterarten differenzierbar. Der Kleine Wiesenknopf (Sanguisorba minor), den wir in Europa als domestizierte Wildpflanze in der Tradition der Bauern- und Küchengärten kennen, ist dagegen in China unbekannt. Stattdessen kennt man in den Gegenden von Hebei und Shandong eine endemische Art Sanguisorba applanata, die bisher auch nur aus China bekannt ist. Sowohl europäische wie chinesische Vertreter dieser Pflanzengattung können auf lange Traditionen in der Volksheilkunde zurückblicken. Der lateinische Artname Sanguisorba (sanguis/Blut, sorbere/aufsaugen) erläutert den medizinischen Nutzen, den schon die europäische Signaturenlehre aus den roten Blüten der Pflanzen (deutscher Volksmund: „Blutströpfchen“) ableitete. Das Epithet „officinalis“ belegt zudem für Europa, dass die Pflanzenart auch im Kräuterkanon mittelalterlicher Apotheker vertreten war (Offizin für Werkstatt und Alchimistenlabor früher Apotheker). Entsprechend heißt es schon in der deutschen Übersetzung zu Mattiolis kommentierter „Materia Medica“ des Pedanios Dioscurides, dem „New-Kreuterbuch“, das 1563 in Prag erschien, über den Großen Wiesenknopf: Die Körbelskreuter stopfen allerley bluttflüsse mit gewalt. Das ist gewiss / dass diese Kreutter den vberschwencklichen Bluttgang der weiber / für alle anderen artzneyen stopffen. Die bletter in wein oder wasser gesotten vnnd getruncken / stellet die rote rhur / vnnd andere bauchflüsse mechtiglich. [1]

Blätter des Großen Wiesenknopf; die deutsche Nutzung als Beigabe in Wildsalaten ist in China nicht bekannt. Foto: Gerhard Höfer
Sanguisorba officinalis / di yu, 地榆 / Großer Wiesenknopf / Great Burnet / Pimprenelle officinale

Vor allem der hohe Gerbstoffgehalt der Wurzelteile, die auch in der chinesischen Medizin zum Einsatz kommen, favorisierte den früheren Einsatz der Pflanzenart bei äußeren und innerlichen Blutungen. Dieses volksmedizinische Wissen tradiert sich in Europa heute nur noch in der Anwendung des Homöopathikums Sanguisorba mit Verwendungen bei klimakterischen Frauenleiden oder bei Krampfadern. In den Drogenmonographien der aktuellen deutschen Phytotherapie ist Sanguisorba dagegen nicht mehr aufgeführt. Die Verwendung der Blätter als Salat- und Gewürzpflanze im deutschen Brauchtum hat sich aber erhalten, auch wenn in der Tradition deutscher Bauerngärten bevorzugt auf die Blätter des Kleinen Wiesenknopfs (Sanguisorba minor) als Salatbeigabe mit angenehm mildem Nuss-Geschmack zurückgegriffen wird. Pflanzenkenner schätzen auch die Blätter des Großen Wiesenknopfs als Beigabe zu Wildsalaten für Blutreinigungskuren im zeitigen Frühjahr, so wie sie früher als Gerbstoffdroge zusammen mit den Wurzeln für Teeaufgüsse gesammelt wurden. [2]

Unter Botanikern wird der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) als eurasische Wildpflanze als Kennart der Feuchtwiesen (Molinietalia) angesehen und ist entsprechend auf feuchten Auwiesen oder Flachmoorwiesen des gesamten eurasischen Kontinents bis in die Höhenlagen der subalpinen Stufe verbreitet, in den chinesischen Provinzen sogar bis in Höhenlagen von 3 000 m. Im nördlichen Europa kommt die Pflanze dagegen nicht vor, auch in Deutschland sind stärkere Vorkommen eher im Süden bis zum Alpenraum zu verzeichnen, während man die Art in Norddeutschland kaum kennt.

Die üppige grüne Belaubung in Bodennähe erklärt den chinesischen Volksnamen der Art als „Erd-Ulme“. Foto: Gerhard Höfer
Sanguisorba officinalis / di yu, 地榆 / Großer Wiesenknopf / Great Burnet / Pimprenelle officinale

Die kräftigen Fiederblätter der Pflanzenart als wertvolle Futterpflanze, die mit den Stängeln dem vielgestaltigen Wurzelstock entspringen, sind nur im unteren erdnahen Bereich der Pflanze zu finden, was den chinesischen Volksnamen der Art als Erd-Ulme (di yu, 地榆) erklären mag. Über diesem krautigen Bodenbereich erhebt sich auf kantigen Stängeln mit Wuchshöhen bis 120 cm der Blütenstand mit kugeligen roten Köpfchen, in denen während der Blütezeit von Juni bis September von oben nach unten weibliche, zwittrige und männliche Blüten angeordnet sind. Die Bestäubung kann sowohl durch den Wind wie durch Insekten erfolgen (Bienen sammeln beispielsweise den Pollen). Der Ameisenbläuling (Maculinea nausithous, gelegentlich auch als Phengaris nausithous) nutzt die rote Blüte zur Eiablage und als Zwischenwirt für seine Raupen – Sanguisorba officinalis ist die einzige Futterpflanze für diesen seltenen Tagfalter. Während der deutsche Volksmund wegen der dunklen roten Blüten von „Blutströpfchen“ spricht, nennt der chinesische Volksmund die Art als xue jian cao (血箭草 / Blut-Pfeil-Kraut) und spricht mit Konnotation für die medizinisch verwendet Wurzel auch von Schweine-Ginseng (zhu ren shen, 猪人参).

Rote Blütenköpfchen auf kahlen langen Stängeln erklären den chinesischen Volksnamen als Blut-Pfeil-Kraut (xue jian cao, 血箭草). Foto: Gerhard Höfer
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Von fünf Unterarten, die in der chinesischen Flora für den Großen Wiesenknopf differenziert werden, referenziert das offizielle chinesische Arzneibuch lediglich die Varietäten „longifolia“ und „officinalis“ für den medizinischen Gebrauch. Die chinesische Volksheilkunde nutzt aber auch andere Arten der Gattung für medizinische Zwecke, entweder als Substitutionen für die Stammdroge di yu (地榆) (so z. B. Sanguisorba tenuifolia mit zwei Varietäten) oder als eigenständige Arzneidroge chong lian (虫莲), die beispielsweise aus dem Wurzelstock von Sanguisorba filiformis gewonnen wird.

Die chinesische Arzneidroge war vor 2 000 Jahren auch schon in der „Materia Medica“ des Griechen Pedanios Dioscurides erfasst. Foto: Thomas Grimm
Sanguisorba officinalis / di yu, 地榆 / Großer Wiesenknopf / Great Burnet / Pimprenelle officinale

Für die arzneiliche Drogengewinnung gräbt man in China die vielgestaltigen Wurzeln von Sanguisorba officinalis oder der langblättrigen Varietät Sanguisorba officinalis var. longifolia außerhalb der aktiven Vegetationsphase aus (entweder im Herbst nach dem Abwelken der oberirdischen Pflanzenteile oder im zeitigen Frühjahr vor dem Austrieb) und befreit sie von Erdreich und kleineren Nebenwurzeln. Die verbleibenden Wurzelstücke werden gewaschen, danach in Scheiben geschnitten und getrocknet (Drogenbegriff: di yu, 地榆). Für eine bessere Pulverisierung zur Anwendung in Salben können die aufgeschnittenen Wurzelstücke anschließend auch geröstet werden. Der Drogenbegriff di yu tan (地榆炭) bezeichnet solche geröstete Wurzelstücke, deren Oberfläche eine verkohlte schwarze Farbe angenommen hat und auch die inneren Wurzelteile der Arzneidroge höchstens noch dunkelbraun erscheinen lässt. Unsere Drogenabbildung ist von dieser Di-Yu-Tan-Qualität und stammt aus einer Ernte mit anschließender Aufbereitung in Hebei. Für TCM-Anwendungen werden diese verkohlten Wurzelstücke pulverisiert und kommen äußerlich zur Anwendung für die Stillung von Blutungen oder zur Desinfektion von Geschwüren.

Verkohlte Wurzelteile der Wurzeldroge können für die Verwendung in Salben leichter pulverisiert werden. Foto: Thomas Grimm
Sanguisorba officinalis / di yu, 地榆 / Großer Wiesenknopf / Great Burnet / Pimprenelle officinale

Bleibt zu konstatieren: Seit mindestens zweitausend Jahren wird dieser alten Heilpflanze in zwei unterschiedlichen Kulturkreisen ein vergleichbares Wirkungsspektrum zugesprochen, auch wenn die Anwendungen im Detail pharmazeutischer Nutzung und Rezeptur erst mit dem globalisierten Gedankenaustausch bewusst werden. Der pharmazeutische Gedankenaustausch mit China kann also durchaus auch alte Traditionen der europäischen Pflanzenheilkunde erweitern und bereichern.

[1] zitiert nach: Pahlow, Mannfried (Apotheker): Das große Buch der Heilpflanzen. München : Gräfe und Unzer, 1993, S. 342 f.

[2] Die beiden Sanguisorba-Arten werden im umgangssprachlichen Vokabular in Europa gerne mit Vertretern einer anderen Pflanzengattung verwechselt. Ihre volkstümliche Benennung als Bibernelle oder Pimpernell (frz.: Pimprenelle) verweist nämlich in gleichem Maße auf die Arten Pimpinella major und Pimpinella saxifraga, die im Kanon europäischer Heilpflanzen ebenfalls eine Rolle spielen. Zur Vermeidung weiterer Missverständnisse sprechen wir im obigen Text bei der Gattung Sanguisorba nur von Wiesenknopf, auch wenn die Arten in manchen deutschen Regionen auch als Bibernelle oder Pimpernell benannt sein können. Der englische Ausdruck Pimpernell bezieht sich dagegen ausschließlich auf Vertreter der Gattung Pimpinella.

Gerhard Höfer. Hamburg, 2011-09-06

  • Die aktuelle wissenschaftliche Darstellung dieser Pflanzenart in englischer Sprache finden Sie hier ...
  • 对于这种植物物种的目前科学的英语描述,见此 ...
  • A topical scientific description of this species in English language can be found here ...
  • Une description de cette espèce (en anglais) au niveau actuel de la science botanique se trouve ici ...

Die Hamburger Fachredaktion um Gerhard Höfer (Pflanzenarchiv Lavendelfoto) ist Ihnen bei Bedarf mit weiteren Fotos seiner Autoren, auf Wunsch auch mit Texten und Quellenangaben zu dieser Pflanzenart und ihren chinesischen Heilanwendungen behilflich (Tel.: +49 40 5001311).


Die Nennung von Pflanzenarten und pflanzlichen Drogen aus der chinesischen Medizin beinhaltet keine Aufforderung zur unqualifizierten Einnahme solcher Mittel. Bei ernsthaften gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.

对于中国医学的植物和植物药材的命名并不支持对这些药材植物的不恰当食用。对于有健康方面问题的人请求助于您的医生和药店。

Our dictionary entries of Chinese plant species and drugs from traditional Chinese medicine does not invite you to experiment with these drugs. If you have serious health problems please contact a doctor or a pharmacist.

La désignation d’espèces et de drogues végétales provenant de la médecine chinoise ne constitue pas une incitation à la prise irréfléchie des moyens en question. En cas de problèmes de santé graves, veuillez vous adresser à votre médecin ou pharmacien.

 
 

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© Gerhard Höfer, 2010