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Glossar chinesischer Drogenbegriffe

cai • cao • dou • gen • guo • he • hua • miao • pi • ren • rou • shen • teng • ye • zhi • zi
cai
ist eigentlich ein Begriff aus dem Bereich der chinesischen Küche und bezeichnet Gemüse, die als Lebensmittel verzehrt werden. In der volkskundlichen chinesischen Medizin gibt es jedoch viele fließende Übergänge, so wie wir auch in Deutschland viele Heilpflanzen kennen, die traditionell als Wildgemüse genutzt werden. So wird beispielsweise in China die Maulbeerbaumblättrige Chrysantheme (Chrysanthemum morifolium) als ju hua cai 菊花菜 (wörtlich: Aschenblumengemüse) sowohl medizinisch, wie in der Küche genutzt, ebenso die Koreanische Kresse (Lepidium apetalum) als du xing cai 独行菜 und unter dem gleichen volkstümlichen Namen auch die Gewöhnliche Besenrauke (Descurainia sophia) die in der volkskundlichen Medizin Chinas ebenso geschätzt werden wie im offiziellen Arzneibuch der Volksrepublik.
cao
bezeichnet zunächst Gras und Stroh, aber auch alle getrockneten Pflanzen. In der chinesischen Medizin finden wir unter dem Begriff alle Drogen ein- bis zweijähriger Pflanzen, auch die oberirdischen Pflanzenteile mehrjähriger Pflanzen, die manchmal sogar zusammen mit den Wurzeln getrocknet werden. In pharmazeutischer Begrifflichkeit entspricht das chinesische daher dem lateinischen Drogenbegriff herba oder auch herba cum radice und darf demzufolge auch als Kraut oder Pflanze übersetzt werden. Entsprechend häufig begegnen wir dem Ausdruck im Umgang mit chinesischen Heilpflanzen: das Andrographiskraut (Andrographis paniculata), das auch in der europäischen Homöopathie verwendet wird als Arzneidroge jin xiang cao 金香草 (wörtlich: goldenes wohlriechendes Kraut); die Kleine Braunelle (Prunella vulgaris), die auch in der europäischen Volksheilkunde (deutscher Name: Selbstheil) und als Wildgemüse bekannt ist wird im Chinesischen Arzneibuch als xia ku cao 夏枯草 (wörtlich: Sommer-trocken-Kraut) geführt, obwohl für die pharmazeutische Droge in China bevorzugt nur die Blütenähren (Prunellae spica) verwendet werden, die in manchen Landesteilen wiederum als Wildgemüse beliebt sind. Die Herzblättrige Houttuynia (Houttuynia cordata), die auch aus der vietnamesischen Küche bekannt ist, kann für Anwendungen in der chinesischen Medizin als yu xing cao 鱼腥草 (wörtlich: Fisch-Geruch-Kraut) sowohl mit wie auch ohne Wurzeln getrocknet werden.
Blattdroge der Houttuynia (Houttuyniae herba / yu xing cao, 鱼腥草); Foto: Thomas Grimm
Houttuynia cordata / ji cai, 蕺菜 / Herzblättrige Houttuynia / Fishwort / Houttuynia cordée
dou
bezeichnet in chinesischer Umgangssprache die Bohne, die wir mit dieser Aufschrift auch mit zahlreichen Vertretern aus der Familie der Hülsenfrüchtler in der Gemüseabteilung europäischer Asia-Läden finden können. Glycine max, die Sojabohne, ist eine der ältesten chinesischen Kulturpflanzen: da dou 大豆 (große Bohne) heißt sie wegen der chinesischen Vorliebe für großwüchsige Sorten, huang dou 黄豆 (gelbe Bohne) um sie von der grünen Mungbohne abzugrenzen (aus beiden Arten werden Sojasprossen für den Verzehr erzeugt) oder mao dou 毛豆 (behaarte Bohne) mit Bezug auf die pelzige Behaarung ihrer Hülsenfrucht. Für die TCM-Droge chi xiao dou 赤小豆 kommen sowohl die Samen der Adzukibohne (Vigna angularis) wie der Reisbohne (Vigna umbellata) in Betracht. Die Ägyptische Faselbohne (Lablab purpureus) wird bevorzugt mit hellen Varietäten als bai bian dou 白扁豆 in der chinesischen Medizin verwendet. Die Hülsenfrüchte der Chinesischen Senna (Senna tora) sind in der chinesischen Umgangssprache als jia lü dou 假绿豆 (Falsche grüne Bohne) oder wegen der braunen Farbe ihrer Samen als gou shi dou 狗屎豆 (wörtl.: Hundekacke-Bohne) bekannt.
Chinesische Arzneidroge bai bian dou (白扁豆) aus der Faselbohne (Lablab purpureus) ägyptischen Ursprungs; Foto: Thomas Grimm
Lablab purpureus / bian dou, 扁豆 / Faselbohne / Lablab Bean / Dolique lablab
gen
bezeichnet in chinesischer Sprache und Philosophie den Ursprung, bei Pflanzen dementsprechend die Wurzel, wobei in der chinesischen Medizin sowohl Knollen, verdickte Rhizome, verholzende Wurzelteile aber auch aufbereitete Wurzelteile von mehrjährigen Sträuchern und Bäumen gemeint sein können. In pharmazeutischer Begrifflichkeit haben wir es also zu tun mit radix und/oder rhizoma. Eine der bekanntesten chinesischen Heilpflanzen, der Rotwurzel-Salbei (Salvia miltiorrhiza var. miltiorrhiza) wird entsprechend als hong gen 红根 (wörtlich: rote Wurzel) oder als xue shen gen 血参根 (Blut-Ginseng-Wurzel) bezeichnet, die Wurzel der Großen Klette (Arctium lappa), die in Europa für ihr Klettenöl bekannt ist, wird in der chinesischen Volksheilkunde als niu bang gen 牛蒡根 (Ochsen-Kletten-Wurzel) bezeichnet. Die chinesische Medizin verwendet aber auch Wurzeln von Gräsern und Binsen wie bei der Perlengerste (Coix lacryma-jobi), dem Japanischen Blutgras (Imperata cylindrica var. major), der Flatterbinse ( Juncus effusus – in Europa auch aus homöopathischen Anwendungen bekannt) und dem Gewöhnlichen Schilf (Phragmites australis). Auch die Wurzeln zahlreicher Baumarten werden in China als Arzneidrogen aufbereitet: Broussonetia papyrifera als chu shu gen 楮树根, die Wurzeln der Zitronat-Zitrone (Citrus medica) als xiang yuan gen 香橼根, die Wurzeln der Japanischen Wollmispel (Eriobotrya japonica) als pi pa gen 枇杷根 u. v. a.
Wurzeldroge des Schilfrohrs (Phragmitis rhizoma / lu gen, 芦根); Foto: Thomas Grimm
Phragmites australis / lu wei, 芦苇 / Gewöhnliches Schilf / Common Reed / Roseau commun
guo
bezeichnet eine Frucht (pharmazeutisch: fructus), in der Mehrzahl verallgemeinernd auch Früchte oder Obst und kann sich sowohl auf die Früchte von einjährigen saftreichen Pflanzenarten (z. B. Cucurbitaceae) beziehen wie auf die Früchte von Bäumen, z. B. bei den Früchten der Chinesischen Dattel zao guo 枣果 (Ziziphus jujuba), der beliebten Frucht von einem der ältesten Kulturbäume Chinas aus der Familie der Rhamnaceae. Die gelben Früchte des weiblichen Ginkgobaums bai guo 白果 (wörtlich: helle Frucht) sind in Europa selten zu sehen – wegen ihres Geruchs wird ihre Ausbreitung vielerorts unterdrückt – ; in der chinesischen Medizin spielen sie eine Rolle, ebenso wie deren Fruchtkerne als bai guo ren 白果仁. Die jungen unreifen Früchte der Chebulischen Myrobalane (Terminalia chebula) sind als zang qing guo 藏青果 (tibetische blaugrüne Frucht) in der Volksheilkunde bekannt und die Früchte des Chinesischen Sternjasmins (Trachelospermum jasminoides) stellen die TCM-Droge luo shi guo 络石果. Die Früchte von Grosvenors Balsamgurke (Momordica grosvenori) aus der Familie der Cucurbitaceae werden im chinesischen Volksmund ebenso wie in der chinesischen Medizin als luo han guo 罗汉果 bezeichnet.
Die chinesische Arzneidroge Fructus jujubae (da zao, 大枣) ist schon seit dem Mittelalter in deutschen Apotheken als „Brustbeerlein“ bekannt. Die Baumart als alte chinesische Kulturpflanze wird seit dem 19. Jahrhundert auch im Mittelmeerraum angebaut. Foto: Thomas Grimm
Ziziphus jujuba var. jujuba / zao, 枣 / Chinesische Dattel / Common Jujube Tree / Jujubier
he
bezeichnet wissenschaftlich den Nucleus, physikalisch den Atomkern; in der Biologie wird damit in chinesischer Sprache der Zellkern beschrieben, in der Botanik der Obstkern, der oft von fleischigem Nährgewebe umschlossen ist. Beim Longanbaum (Dimocarpus longan) ist dieser Kern (long yan he 龙眼核) mit seinem weißen Nabelfleck auf schwarzer Samenschale sogar der Namensgeber für den ganzen Baum – im Aussehen des Samens sieht die chinesische Mythologie das Auge eines Drachens: long yan 龙眼; der Longanbaum ist also ein Drachenaugenbaum. Bei der Wollmispel aus der Familie der Rosaceae steckt der Kern (pi pa he 枇杷核) in einem apfelähnlichen Kerngehäuse und die heilende Wirkung der Pampelmusensamen you he 柚核 war in der chinesischen Medizin schon lange bekannt, bevor auch die europäische Esoterik im Grapefruit-Kernöl das Allheilmittel für Gesundheit und Wohlbefinden zu entdecken glaubte. Die Früchte des Fiederblatt-Weißdorns werden in China zu einer allseits beliebten Süßigkeit verarbeitet, die inneren Kerne dieser roten Mehlbeere spielen dagegen als shan zha he 山楂核 eine Rolle in der chinesischen Medizin.
Frische Longanfrüchte kann man inzwischen auch in der Gemüseabteilung deutscher Asia-Märkte kaufen. Foto: Gerhard Höfer
Dimocarpus longan / long yan, 龙眼 / Longanbaum / Longan Fruit / Fruit de Longan
hua
steht für Blume oder Blüte, wobei die chinesische Medizin (pharmazeutische Begriffe: flos oder flores) sich an den Wirkungen der Inhaltsstoffe und weniger an der Ästhetik der Blüten orientiert. Dennoch finden wir hier Drogen, die mit olfaktorischen Qualitäten auch der Parfum-Industrie nahestehen könnten wie z. B. die Blüten der Kartoffelrose (Rosa rugosa) aus deren Blütenblättern vermutlich alle Kinder der nördlichen Hemisphäre ihr erstes „Parfum“ als Rosenwasser hergestellt haben. In China sind sie als Arzneidroge mei gui hua 玫瑰花 bekannt, die Blüten der Echten Magnolie (Magnolia officinalis) als hou pou hua 厚朴花 (wörtlich: dicke Zürgelbaum-Blüte) oder die Blüten von Geißblattarten, die ihren betörenden Duft hauptsächlich nachts zur Anlockung von Nachtfaltern verströmen wie die hellgelben Blüten des Berg-Geißblatt (Lonicera confusa) mit der Blütendroge jin yin hua 金银花 (wörtlich: Gold-Silber-Blüte); unter der gleichen Bezeichnung werden auch die Blütendrogen von Lonicera hypoglauca und Lonicera japonica erfaßt. Aber auch Pfirsichblüten (tao hua 桃花) oder die Blüten des Huflattichs als kuan dong hua 款冬花 kommen zum Einsatz in der chinesischen Medizin.
In getrocknetem Zustand kaum noch als Blüte zu erkennen: die Blütendroge ren dong hua (忍冬花) des Japanischen Geißblatts (Lonicera japonica). Foto: Thomas Grimm
Lonicera japonica var. japonica / ren dong, 忍冬 / Japanisches Geißblatt / Japanese Honeysuckle / Chèvrefeuille du Japon
miao
als Setzlinge bezeichnen wir in Europa Jungpflanzen, die für die Kultur im Frühbeet oder Gewächshaus vorgezogen werden; dabei handelt es sich um Jungpflanzen, die nach der Entwicklung der Keimblätter im Frühstadium ihrer Sprossentwicklung am endgültigen Standort für das weitere Wachstum vereinzelt werden. Wegen des günstigeren Klimas kommt der chinesische Setzling miao nicht unbedingt aus einem Gewächshaus, sondern kann auch im Freiland des tropischen Klimas herangezogen werden. Bei manchen Arten werden in China diese Jungpflanzen selbst schon als schmackhaftes Gemüse geschätzt, wie z. B. bei den Chrysanthemenarten Chrysanthemum indicum und Chrysanthemum morifolium, deren Setzlinge auch als ye ju miao 野菊苗 bzw. als ju hua miao 菊花苗 pharmazeutisch genutzt werden. Hong hua miao 红花苗 sind die Setzlinge der Färberdistel, die in jungem Zustand noch stark vom Ölgehalt des Samens genährt sind. Ähnliche Kräfte spricht die chinesische Medizin dem Saatgetreide der Tibeter – der Gerste – zu: als da mai miao 大麦苗 werden die Jungpflanzen der Gerste in der medizinischen Anwendung geschätzt und die Setzlinge des Alang-Alang-Grases (Imperata cylindrica var. major) werden wie viele andere Pflanzenteile dieser tropischen Grasart als mao miao 茅苗 in der chinesischen Medizin verwendet.
pi
bezeichnet im Chinesischen Umhüllendes wie Schale, Haut, Fell, Pelle oder Umschläge. An Bäumen ist es die Rinde, die die inneren Leitbündel umhüllt und schützt und meistens aus dehnbaren Bast- und Korkschichten aufgebaut ist. Das entspricht dem pharmazeutischen Drogenbegriff cortex. Mit wu jia pi 五加皮 wird die Rinde zahlreicher Eleutherococcus-Arten bezeichnet, deren bekannteste im Westen der Sibirische Ginseng (Eleutherococcus senticosus) ist; di gu pi 地骨皮 (wörtlich: Erd-Knochen-Rinde) bezeichnet nach ihrem knöchernen Aussehen benannt die Wurzelrinde der beiden Bocksdornarten Lycium barbarum und Lycium chinense. Auch die Rinde des Ginkgobaums, verschiedener Eschenarten (Fraxinus) oder des Korkbaums (Phellodendron amurense) spielen eine Rolle in der chinesischen Medizin. Cortex radicis als Wurzelrinde (gen pi 根皮) wird auch verwendet vom Chinesischen Diptam, einem Halbstrauch mit hohem Gehalt an flüchtigen Ölen unter der Drogenbezeichnung xiu gen pi 臭根皮 (wörtlich: duftende Wurzelrinde). In anderem pharmazeutischen Kontext bezeichnet die Fruchtschale, z. B. you pi 柚皮 für die aromatische Schale der Pampelmuse, die äußere Schale (Exokarp) des Wachskürbis als dong gua pi 冬瓜皮, yao gua pi 药瓜皮 für die Fruchtschale der Chinesischen Schlangenhaargurke und gua lou pi 瓜楼皮 für die Fruchtschale von Rosthorns Schlangenhaargurke, letztere alle drei aus der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae).
Bei der Arzneidroge di gu pi (地骨皮) handelt es sich um die getrocknete Wurzelrinde des Chinesischen Bocksdorns. Foto: Thomas Grimm
Lycium chinense var. chinense / gou qi, 枸杞 / Chinesischer Bocksdorn / Chinese Wolfberry / Lyciet de Chine
ren
bezeichnet den Kern als Obstkern oder Fruchtkern, auch den inneren Samenkern (lat. semen) von Steinobst. Wegen möglicher Gehalte an Blausäure und Amygdalin halten die westlichen Kulturen einen Abstand vom Genuss dieser Fruchtteile. Anders in China: Die Samenkerne zahlreicher Prunus-Arten werden nicht nur wegen ihres Amygdalin-Gehaltes pharmazeutisch genutzt, sondern gelten ähnlich wie unsere Mandelkerne aus der Weihnachtsbäckerei als leckerer Knabberkram, so z. B. die Pfirsichmandel tao ren 桃仁, die Aprikosenmandel xing ren 杏仁 und die Mandeln der Ansu-Aprikose ku xing ren 苦杏仁. Die Früchte des weiblichen Ginkgobaums werden wegen ihrer bereiften goldgelben Früchte auch als Silberaprikose yin xing 银杏 oder als yin guo 銀果 (wörtlich: Silber-Frucht) bezeichnet. Der Samenkern, der unter dem geruchsintensiven Fruchtfleisch steckt ist hellbeige und spielt als drastisches Arzneimittel unter der Bezeichnung bai guo ren 白果仁 (wörtlich: heller Frucht Kern) eine Rolle in der chinesischen Medizin. Ähnlich verhält es sich mit den Fruchtkernen der Stacheljujube suan zao ren 酸枣仁 einer Varietät der Chinesischen Dattel, beide aus der Familie der Rhamnaceae. Die inneren Samenkerne der Lotusblüte lian ren 莲仁 von der Größe einer Haselnuss sind in Deutschland nahezu unbekannt, obwohl die trockenen Fruchtstände, aus denen diese Samen entnommen werden ein beliebtes floristisches Dekor bilden (Friedhofsfloristik); in China spielen dagegen die eigentlichen Samen der Lotusblüte lian ren 莲仁 eine Rolle in Küche und Medizin.
Getrocknete Früchte der Lotusblume (Nelumbinis semen / lian ren, 莲仁); Foto: Thomas Grimm
Nelumbo nucifera / lian, 莲 / Indische Lotusblume / Sacred Indian Lotus / Lotus des Indes
rou
bezeichnet in chinesischer Sprache sowohl das Fleisch (anatomisch) von Tier und Mensch, wie auch das pflanzliche Zellgewebe als Fruchtfleisch (lat. pulpa), das bei vielen Obst- und Gemüsesorten den eingebetteten Samen der Frucht umhüllt. In der chinesischen Medizin kann Fruchtfleisch sowohl frisch wie getrocknet zur Verwendung kommen. Es entspricht dem Drogenbegriff pulpa und/oder fructus. Die Früchte der Asiatischen Kornelkirsche werden medizinisch als Trockenfrüchte shan yu rou 山萸肉 ohne Samenkerne verwendet, oder erst nach Dämpfung in einem Weinsud als jiu yu rou 酒萸肉 getrocknet. Der Samenmantel der Longanfrüchte aus der Familie der Sapindaceae weist in frischem Zustand große Ähnlichkeit zum Fruchtfleisch der nahe verwandten Litschi auf; für die pharmazeutische Verwendung wird er getrocknet als long yan rou 龙眼肉 verwendet. Ba ji rou 巴戟肉 ist das Fruchtfleisch der Chinesischen Noni aus der Familie der Rubiaceae und wu mei rou 乌梅肉 bezeichnet in der chinesischen Medizin das Fruchtfleisch der Japanischen Aprikose (Prunus mume), das sich bei der Trocknung dunkel (wu = schwarz) verfärbt.
Das Fruchtfleisch der Asiatischen Kornelkirsche, im chinesischen Arzneibuch als shan zhu yu (山茱萸) bezeichnet, kann auch als shan yu rou (山萸肉) oder als yu rou (萸肉) im Umlauf sein. Foto: Thomas Grimm
Cornus officinalis / shan zhu yu, 山茱萸 / Japanische Kornelkirsche / Japanese Cornelian Cherry / Cornouiller officinal
shen
ist in China ursprünglich die Wurzel von Panax ginseng, dem wichtigsten der sieben Vertreter aus der Gattung Panax in China, der mit ihren Nebenwurzeln die Form einer menschlichen Gestalt ren shen 人参 (wörtlich: Mensch Wurzel) zugesprochen wird. Seltene Wildvorkommen und Schwierigkeiten im langjährigen Anbauverfahren hatten dieses Adaptogen mit seinen vielseitig belebenden und tonisierenden Wirkungen in China schon immer mit dem Hauch der Begehrlichkeit umgeben. Diese Fama wurde umso mehr gestärkt, nachdem zunächst in Korea der planmäßige Anbau der Art gelungen war und westliche Abnehmer die Wurzel zum asiatischen Exportschlager № 1 beförderten. Die chinesische Volksheilkunde wusste sich aber schon immer mit Surrogaten zu behelfen, weshalb wir den Ausdruck shen in Übertragung auf zahlreiche chinesische Heilpflanzen mit adaptogener Wirkung finden. Als falscher Ginseng oder Poor Man’s Ginseng werden beispielsweise auch die Wurzeldrogen verschiedener Glockenwinden aus der Gattung Codonopsis bezeichnet (chin.: dang shen 党参). Die Wurzel des Doldenblütlers Glehnia littoralis ist als bei sha shen 北沙參 in der chinesischen Medizin bekannt und die Wurzeldroge von Salvia miltiorrhiza als dan shen 丹参. Die Ningbo-Braunwurz aus der Familie der Scrophulariaceae ist im Chinesischen sowohl als Pflanze wie auch mit der Arzneidroge aus ihrer Wurzel als xuan shen 玄参 (wörtlich: mysteriöse Wurzel) benannt. Unzählig ist darüber hinaus die Zahl volkskundlicher Wurzelverwendungen, die unter dem Begriff shen in China im Umlauf sind; vor allem Internet-Nutzer sollten deshalb gewarnt sein vor dem Gebrauch unseriöser Surrogate mit teilweise gefährlichen Inhaltsstoffen, die ebenfalls unter dem Begriff shen den Weg zum Endverbraucher finden und nichts mit Ginseng gemein haben.
Die klassische chinesische Arzneidroge ren shen (人参) als Wurzelaufbereitung von Panax ginseng. Foto: Thomas Grimm
Panax ginseng / ren shen, 人参 / Ginseng / Chinese Ginseng / Ginseng
teng
ist in China das Wort für Rattan oder Peddigrohr, bezeichnet aber auch verholzende Zweige von Lianen und Kletterpflanzen; als medizinische Drogenbezeichnung entspricht dies dem lateinischen caulis (Stängel), weil dabei meistens Stängelabschnitte von Kletterpflanzen zum Einsatz kommen. Gemäß einer verbreiteten chinesischen Sage gaben die Stängel des Chinesischen Flügelknöterich (Fallopia multiflora) als volkskundliche Arzneidroge shou wu teng 首乌藤 einem 60-jährigen Mann Gesundheit und Potenz zurück – nach der erfolgreichen Zeugung mehrerer Kinder auch noch ein langes Leben; er soll 132 Jahre alt geworden sein. Die krallenartigen Kletterhilfen diverser Arten aus der Gattung Uncaria kommen mit ihren Stängeln als gou teng 钩藤 (ramulus cum uncis) zum Einsatz in der chinesischen Medizin. Die Kudzubohnen aus der Gattung Pueraria sind sowohl im Volksmund wie in der chinesischen Medizin als ge teng 葛藤 gebräuchlich. Die Blutliane (Sargentodoxa cuneata) wird pharmazeutisch als da xue teng 大血藤 oder ji xue teng 鸡血藤 bezeichnet und die Zweigabschnitte des Chinesischen Sternjasmins sind als luo shi teng 络石藤 in der chinesischen Medizin bekannt.
Stängelteile des Kletterstrauchs Spatholobus suberectus (ji xue teng, 鸡血藤); Foto: Thomas Grimm
Spatholobus suberectus / mi hua dou, 密花豆 / Hühnerblut / Chicken's Blood Plant / Sang de poulet
ye (alt: )
bezeichnet die Blätter von Pflanzen, wobei niedere Pflanzen und Gräser (incl. Bambus) in der medizinischen Anwendung in China ebenso in Frage kommen wie die Blätter von ein- oder mehrjährigen Pflanzen, Stauden und Sträuchern, sowie die Blätter von laubabwerfenden oder immergrünen Bäumen einschließlich der Schuppenblätter (ce bai ye 侧柏叶) des Lebensbaums (Platycladus orientalis). Die Blätter der Perlengerste als yi yi ye 薏苡叶, die Laubblätter des Grazilen Bambus als dan zhu ye 淡竹叶 oder die Riedgrasblätter (schwäbisch: Bachfähnle) als lu ye 芦叶 sind Grasarten aus medizinischer Anwendung in China. Die keilförmigen Blätter des Ginkgobaums mit ihrer fächerartig gegabelten Nervatur werden als bai guo ye 白果叶 in der chinesischen Medizin verwendet; wegen des Gehalts an ätherischen Ölen kommen die Blätter der Pampelmuse (Citrus maxima) als you ye 柚叶 oder auch die Blätter der Zedrat-Zitrone als xiang yuan ye 香橼叶 zum Einsatz. Senfölgehalte sind in den Rettichblättern lai fu ye 莱菔叶 enthalten und den Inhaltsstoffen des Färberwaids (Isatis indigotica) als chinesischer Blattdroge da qing ye 大青叶 (wörtlich: großes blaugrünes Blatt) können entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben werden. Die Blätter des Zederachbaums (Melia azedarach), die auch in der ayurwedischen Medizin Indiens eine Rolle spielen, sind in China als lian ye 楝叶 im medizinischen Gebrauch und die Blätter der Schwarznessel (Perilla frutescens) als zi su ye 紫苏叶 verweisen noch im chinesischen Sprachgebrauch auf die japanische Herkunft (Shiso), wo die ölhaltigen Blätter auf eine lange Tradition in Küche und industrieller Produktion (Ölpapiere) zurückblicken können.
Frischer Blattaustrieb eines Gingkobaums aus Brachyplasten (für Botaniker der Grund, die Baumart den Nadelbäumen zuzuordnen). In China wird daraus die Arzneidroge bai guo ye (白果叶) gewonnen. Foto: Gerhard Höfer
Ginkgo biloba / yin xing, 银杏 / Ginkgo / Duck's Foot Tree / Arbre aux quarante écus
zhi
bezeichnet unterschiedlich ausgeprägte Zweige; dies können Stiele und Stängel mehrjähriger Stauden sein, aber auch junge Zweige verholzender Bäume oder dünne Äste. Mit pharmazeutischem Drogenbegriff werden diese Drogenteile als ramulus bezeichnet, so z. B. die jungen verholzenden Zweige des Weißen Maulbeerbaums (Morus alba), die – in dünne Scheiben geschnitten – samt dünner Rinde und innerem Markstrahl als sang zhi 桑枝 in der chinesischen Medizin verwendet werden. Auch die Zweige der Pfirsichbäume kommen so als tao zhi 桃枝 zur medizinischen Verwendung ebenso wie die Zweige der Aprikose als xing zhi 杏枝, dem Drogenbegriff, der auch auf die Zweige der nahe verwandten Ansu-Aprikose angewandt wird. In allen Fällen werden den Zweigen ähnliche pharmazeutische Inhalts- und Wirkstoffe zugeordnet wie anderen Teilen der gleichen Baumart, sei es nun Wurzel, Rinde oder Frucht.
Zweige des Maulbeerbaums in arzneilicher Aufbereitung (sang zhi, 桑枝) aus China; Foto: Thomas Grimm
Morus alba / sang, 桑 / Weißer Maulbeerbaum / White Mulberry / Mûrier blanc
zi
bezeichnet in China ein Kind, meistens den männlichen Nachkommen, also einen Jungen oder Sohn. In der Botanik wird mit 子 der Samen beschrieben und zwar der Samenkern, wie er in Hülsen, Schoten oder Kapseln enthalten sein kann oder als Nüsschen in unterschiedlichen Fruchtformen. In pharmazeutischem Sprachgebrauch entspricht dies dem lat. semen, in aller Regel also eine dikotyle Samenanlage, die von einer äußeren schützenden Schale umhüllt wird. Da eine Pflanze in den Samen meist wertvolles Nährgewebe produziert, sind Sämereien in allen Kulturen von großer Bedeutung sowohl für die Nahrungsproduktion der Bevölkerung (Getreide) wie auch für die Gewinnung medizinischer Substanzen. Die Methi Seeds der indischen Medizin als Samen des Bockshornklees sind inzwischen weltweit bekannt; in China sind sie pharmazeutisch als lu ba zi 卢巴子 in Umlauf. Als jue ming zi 决明子 werden die Samen der chinesischen Sennespflanze (Senna tora) in der chinesischen Medizin verwendet, eine Art aus der großen Familie der Fabaceae, der wir nicht nur viele Hülsenfrüchte verdanken sondern auch weitere chinesische Arzneidrogen wie z. B. jia niu gan zi 假牛甘子, die Samen der Paternosterbohne aus Kanton (Abrus pulchellus subsp. cantoniensis). Hanfsaat als Arzneidroge oder Nahrungsmittel spielt weltweit eine Rolle; in China sind die graubraunen Samen von Cannabis sativa als da ma zi 大麻子, dong ma zi 冬麻子, huo ma zi 火麻子 oder einfach als ma zi 麻子 bekannt. Die Samen der Färberdistel – auch in westlichen Kulturen als wichtiger Öllieferant geschätzt – sind in China medizinisch als hong hua zi 红花子 (rote Blüte Samen) bekannt. Die Samen des Silber-Brandschopfs (Celosia argentea) spielen in der chinesischen Medizin schon lange als qing xiang zi 青葙子 eine Rolle und finden aktuell erneute Beachtung in der pharmazeutischen Industrie wegen bisher unbeachteter Inhaltsstoffe. Die Gattung Scutellaria – aktuell wegen hautpflegender Inhaltsstoffe als Schwerpunkt der kosmetischen Forschung wieder im Gespräch – ist traditionell in der chinesischen Medizin vertreten mit dem Baikal-Helmkraut, dessen Samen als huang qin zi 黄芩子 medizinisch verwendet werden.
Leberschützende und immunstimulierende Effekte des Celosian-Gehaltes der Samen des Silber-Brandschopfs werden z. Zt. auch in der westlichen Medizin untersucht; im chinesischen Arzneibuch sind sie als qing xiang zi (青葙子) schon lange bekannt. Foto: Thomas Grimm
Celosia argentea / qing xiang, 青葙 / Silber-Brandschopf / Silver Cockscomb / Célosie argentée

Die Nennung von Pflanzenarten und pflanzlichen Drogen aus der chinesischen Medizin beinhaltet keine Aufforderung zur unqualifizierten Einnahme solcher Mittel. Bei ernsthaften gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.

对于中国医学的植物和植物药材的命名并不支持对这些药材植物的不恰当食用。对于有健康方面问题的人请求助于您的医生和药店。

Our dictionary entries of Chinese plant species and drugs from traditional Chinese medicine does not invite you to experiment with these drugs. If you have serious health problems please contact a doctor or a pharmacist.

La désignation d’espèces et de drogues végétales provenant de la médecine chinoise ne constitue pas une incitation à la prise irréfléchie des moyens en question. En cas de problèmes de santé graves, veuillez vous adresser à votre médecin ou pharmacien.

 
 

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© Gerhard Höfer, 2010